strichführung – basics der zeichenschule

17. Juli 2009

“BOB’S” Basics
die grundlagen der zeichentechnik (analog & digital)

ich habe mich dazu entschlossen, die grundlagen zum thema strichführung, in meinen eigenen worten kurz zusammenzufassen. das sehr komplexe thema ist auf den ersten blick für viele abschreckend, deshalb möchte ich den einstieg etwas erleichtern.

strichführung - zeichnen - 01
strichführung - zeichnen - 01

01 LINIE

alles begint mit einem einfachen strich.
durch die art und weise einen strich zu ziehen, lässt sich schon so einiges ausdrücken. eine entscheidende rolle spielt dabei der linienduktus, die strichstärke und strichführung, welche der zeichnung einen character verleiht. in der ersten abboldung sind ein paar beispiele zu sehen, die zeigen wie sich die liniendicke (A,B) während eines striches verändern kann.

beim zeichnen kann man so z.b. die kontur eines objekts eher statisch oder dynamisch aufbauen. im unteren teil des ersten bildes ist ein weiteres beispiel zu finden. die kontur des kreises auf der linken seite, ist unterbrochen. das ermöglicht dem betrachter eigenständig fehlende teile zu ergänzen. diese situation durchlaufen wir täglich unbemerkt 1000fach. dieser natürliche effekt verleiht unserer zeichnung einen gewohnten, realistischen hauch und macht sie noch dazu spannend. die räumlichkeit des objekts wird dabei ebenso unterstützt, da der mensch automatisch auf eine lichtsituation schließt, bei der die dickere stelle der linie den schattenbereich andeutet.

strichführung - zeichnen - 02
strichführung - simon prades

02 SCHRAFFUR, HELLIGKEIT UND WISCHEN

duplizeirt man die linien mehrfach, so erhält man eine textur, mit der man verschiedene helligkeitswerte erzeugen kann. dies ist mit vielen verschiedenen techniken möglich. dicke striche weit außeinander, dünne striche enger beisammen, eine überlagerung von linien in unterschiedlichen winkeln oder eine spannende mischung aus allem. am besten einfach ausprobieren.

es bietet sich dabei an eine ersichtliche struktur zu erzeugen (A) und nicht zu wischen (B). dadurch behält man eine bessere kontrolle über die helligkeit und kann gleichzeitig gezielt die form ausmodelieren.

je nach art und richtung der schraffur, ergibt sich auch ein unterschiedlicher ausdruck und character. als beispiel hirzu habe ich einen apfel horizontal und vertikal anschraffiert. der unterschied im ausdruck ist deutlich zu erkennen.

strichführung - zeichnen - 03

03 MAPPING

eine sehr große hilfe beim schraffieren bietet ein gitternetz, dass man angedeutet über ein objekt legen kann. hierzu stellt man sich vor man wickelt ein gitter um ein objekt und zeichnet sich die linien leicht an.

auf der linken seite ist ein beispiel zu finden, bei dem der auftrag auf das objekt misslungen ist. ohne eine neigung nach hinten, liegt das gitter frontal auf. diese art von mapping bietet keine große hilfe. viel besser sieht es auf der rechten seite aus.
hier wurde das gitter um das objekt gelegt und die neigung nach hinten berücksichtigt. das zeigen die abstände der einzelnen gitterabschnitte zueinander. sie rücken nach außen hin enger zusammen, da sie vom betrachter aus gesehen, weiter nach hinten rücken. wir nehmen eine verdichtung der linien nach rechts und links wahr, was optisch eine neigung nach hinten zeigt. dieses prinzip setzt man auch so beim schraffieren ein.

strichführung - zeichnen - 04
strichführung - seanbinder.com

04 WIREFRAME

durch das überlagern eines objekts mit einem gitter erhält man ein wireframe(drahtgittermodell). ähnlich wie bei einer geografischen
karte zeigt uns das netzt höhen und tiefen des objekts an.
nach dem aufbau eines gitters, füllt man theoretisch die einzelnen flächen entsprechend der linienform mit einer schraffur und erhält dadurch eine objektzeichnung welche für den betrachter alle wichtigen informationen enthält.

jedoch gilt: so wenig wie möglich und so viel wie nötig!

der gezielte und bewusste einsatz einer linie ist viel effektiver als 100 striche die nur „gut aussehen“. durch ein wenig übung lernt man, das system freier zu verwenden. man denkt sich lediglich die linien und schraffiert in die jeweilig gedachte linienrichtung, zusätzlich modelliert man mit einer überlagerung die formen des objektes weiter aus.

strichführung - zeichnen - 05
strichführung - licht

05 LICHT
nicht zu vergessen ist die lichtsituation.
duch das andeuten von licht und schatten gibt man dem betrachter eine weitere große menge an informationen über das vorliegende objekt. je feinschichtiger und höher die differenzierung zwischen verschiedenen helligkeitsstufen, desto mehr lässt sich daraus auf die objektform schließen und eine atmosphäre erzeugen. sehr wichtig ist hierbei das kontrastverhältnis und die wiedergabe einer helligkeitspalette, die von „sehr dunkel“ bis „sehr hell“ reichen sollte.

die kontur unterstützt die lichtsituation zusätzlich. lichtpunkte überlagern die kontur und nehmen sie fast komplett, schatten hingegen verstärken sie.

strichführung - zeichnen - 06
strichführung - jamesjean.com/

06 KONTRAST

ein letzter punkt in meiner kurzen liste ist der kontrast und das schärfenverhalten, mit dem sich eine weitere ebene zur verdeutlichung einer räumlichkeit bietet.
weiter entfernte punket erscheinen dabei mit weniger kontrast, auch die struktur der linien ist weniger deutlich als die bei nahliegenden. objektteile die sich im vordergrund befindenden weisen ausserdem einen höheren kontrastumfang vor und wirken intensiver. dies kann durch farben noch weiter ausgebaut werden.

durch das kombinieren der oben aufgeführten punkte und das ständige üben (was ich mal wieder dringend nötig hätte), lassen sich tolle ergebnisse erzielen. nicht zu vergessen, das es sich hier lediglich um eine auswahl möglicher punkte handelt die jeweils nur sehr kurz angerissen wurden. die palette lässt sich beliebig erweitern und ergänzen.

punkte die ebenso eine große rolle spielen, sind z.b.:
Komposition, struktur und oberfläche, flächenverhältnisse, spannung, dynamik und rhythmus…

vielen dank an dieser stelle an prof. bob für die vielen lehreichen stunden!
viel spaß beim üben.

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